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Niels Hürter, Vorstandsmitglied, MG-Stift: Wir sind auf die Unterstützung der Community angewiesen!
Montag, den 03. November 2008 um 20:27 Uhr

Am 01. November 2008 fand in der Generation-Bar die Startveranstaltung der diesjährigen Paten-Aktion zum Welt-Aids-Tag 2008 zugunsten des von Matthias Gädecke begründeten Wohnstiftes statt. Niels Hürter, einer der drei ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder, unterstrich bei seiner Rede die Dringlichkeit unserer Aktion:

"Ich möchte Sie und Euch herzlich begrüßen im Namen des Vorstandes des Wohnstiftes, das von Matthias Gädecke begründet wurde. Dies ist das einzige Wohnprojekt in Hamburg, das vorrangig für Menschen, die mit HIV und AIDS leben müssen, Wohnraum vorhält. Das Stift wird von einem dreiköpfigen, ehrenamtlichen Vorstand geleitet. Dies sind derzeitig: Detlev Gause, AIDS-Pastor des Kirchenkreisverbandes Hamburg, Thomas Nebel, Vertreter einer gemeinnützigen Jugendhilfeeinrichtung und ich, Niels Hürter, nach 26 Jahren im kirchlichen Dienst, zuletzt als GF des Rechenzentrums Nordelbien-Berlin, nun im Vorruhestand.

Die Hausverwaltung für die Wohneinrichtung erfolgt über eine Grundstücksverwaltungsgesellschaft, die Bilanzerstellung und Prüfung erledigt ein Steuerberater, die öffentliche Aufsicht übt die Justizbehörde, Referat für Stiftungsangelegenheiten aus.

Das Wohnstift in seiner heutigen Nutzung verdanken wir dem inzwischen verstorbenen Dieter Schmidt, dem ehemaligen Sprecher der Hamburger Ärtzekammer, der Ende der 80er Jahre als 1. Vorsitzender des Stiftes die Satzung der Zeit anpassen ließ. Nach dem letzten Willen des Gründers hieß es noch im Jahr 1885: "…Es wird ein Haus errichtet, worin hilfsbedürftigen, unverehelichten oder verwitweten Frauenzimmer Wohnung erhalten werden …".

In der neuen Fassung aus 1989 nach über 100 Jahren heißt es nun: "Die Stiftung dient ausschließlich und unmittelbar gemeinnützigen und mildtätigen Zwecken. In diesem Rahmen unterhält die Stiftung Wohnungen, in denen hilfsbedürftigen Personen mit geringem Einkommen Unterkunft gewährt wird. Weiblichen Personen ist der Vorzug zu geben."

Mit dieser Öffnungsklausel war der Weg frei für angestrebte Reformen. Durch die steigende Zahl der HIV-Betroffenen Personen Anfang der 90er Jahre und der damit verbundenen Unterbringungsnot, beschloss der Vorstand im Jahre 1993 Kontakt mit Hamburg Leuchtfeuer aufzunehmen, um Wohnungen an HIV-Betroffene zu vermieten. Im Frühjahr 1994 konnten die ersten neu Vermittelten in frisch renovierte Wohnungen einziehen.

Die Änderung in der Belegung blieb in der Öffentlichkeit und bei den bisherigen Bewohnern nicht ohne Widerspruch. In einem öffentlichen Brief beschwerten sich die Bewohner über die veränderte Hausgemein-schaft. Durch das Drogenproblem eines Bewohners eskalierte die Stimmung im Frühjahr 1997. Nur die gemeinsamen Anstrengungen der Verwaltung, des Vorstandes und der Geschäftsführung von Hamburg Leuchtfeuer konnten die Wogen wieder glätten. Die Stigmatisierung der Bewohner in der Nachbarschaft hat sich zwischenzeitlich gegeben, die Hausgemeinschaft hat sich untereinander arrangiert.

Das Gebäude der Stiftung als solches verfügt über eine solide Bausubstanz aus den Jahren 1885-88, der Anbau wurde 1936 errichtet. In zwei Bauabschnitten fand eine Grundrenovierung 1994 im Anbau und 1998/99 im Haupthaus mit umfangreichen Strukturmaßnahmen statt. Es wurde so:

  • Durch die Zusammenlegung von Einzimmerwohnungen mit Etagen WC`s zu 1,5 bis 2 Zimmerwohnungen neue Einheiten geschaffen, die die Anforderungen des sozialen Wohnungsbaus abdeckten
  • Es wurden eigene Sanitäreinheiten, Bäder und Küchen oder Wohnküchen in jeder Wohnung installiert,
  • der Ausbau des Dachgeschosses mit 2-Zimmer- und einer Dreizimmerwohnung durchgeführt,
  • die Neuanlage des Gartens mit einer vorhandenen Laube und einem frei stehenden Grillplatz geschaffen,
  • die Errichtung eines behindertengerechten Außenfahrstuhls und eines Innenfahrstuhles und vieles andere mehr vorgenommen.

Alle Wohnungen sind behindertenfreundlich oder behindertengerecht umgebaut worden. Die Gesamtkosten für die neu entstandenen 28 Wohnungen umfassten rund 6,7 Mio DM, somit rund 3,35 Mio €. Diese Umbaukosten wurden als Darlehen gewährt (zum einen von Hamburg Leuchtfeuer zum anderen von der Hamburger Wohnungsbaukreditanstalt). Diese Darlehn werden seit dem Jahr 2000 aus den laufenden Mieteinnahmen getilgt.

Die Wohnungen sind durch die Förderung der Hamburger Wohnungsbaukreditanstalt sozial gebunden. Somit ist der Mietpreis vorgegeben, die Wirtschaftlichkeit des Hauses ist knapp kalkuliert. Die Kaltmiete liegt unter 6,40 €/qm für Wohnungen zwischen 30 und 54 Qm. Die Hausgemeinschaft setzt sich aktuell aus wenigen Altmietern und 20 HIV-Betroffenen Personen zusammen, überwiegend sind dies schwule Einzelpersonen und eine Mutter mit 2 Kindern. 20 der 28 Wohnungen werden über "Hamburg Leuchtfeuer – psychosoziale Betreuung" vergeben.

Zur Erhaltung der Wohnqualität für die Bewohner für dieses einzige Wohnprojekt für HIV-Betroffene in Hamburg steht nun eine umfangreiche Baumaßnahme an, die eine Durchfeuchtung der Wohnungen aus dem Keller heraus ins Erdgeschoß vermeiden soll. Dies ist derzeitig aus Eigenmitteln nicht möglich.

Um langfristig den Erhalt der Stiftung und somit des Stiftungszwecks als Wohnprojekt für HIV-Betroffene zu gewährleisten und so einer drohenden Insolvenz entgegenzuwirken, sind wir nun auf die Unterstützung der Solidargemeinschaft der "Community" und anderer Stellen angewiesen.

Scheut Euch nicht, die Werbetrommeln für "Die Paten" zu rühren. Die Bewohner und der Vorstand des Stiftes danken Euch im Voraus für Eure großherzigen Bemühungen. Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit!"

Niels Hürter, Vorstandsmitglied MG-Stift